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Highspeed-Fotografie Teil 2 – Das richtige Timing der Aufnahme

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Highspeed-Fotografie Teil 2 – Das richtige Timing der Aufnahme

Das Paket…

Was war denn nun im Paket (siehe Cliffhanger von Teil 1)?

Highspeed Tutorial Howto Anleitung Blitzabbrennzeit Trigger Experimente Daniel Hertrich Fotografie

Ein geheimnisvolles Paket

Bei der Highspeed-Fotografie ist es wichtig,

  • sehr kurz zu belichten und
  • den richtigen Zeitpunkt zu treffen.

Das Thema kurze Belichtung mittels Blitz habe ich im Teil 1 „Highspeed-Fotografie: Ultra-kurze Belichtungszeiten realisieren“ abgehandelt. Aber wie treffen wir den richtigen Zeitpunkt für die Belichtung? Auf gut Glück? Das ist eine Möglichkeit. Und es kommen dabei auch manchmal wirklich gute Ergebnisse heraus. Lieber als Glückstreffer möchten wir aber vorhersehbare und reproduzierbare Ergebnisse haben. Und hier kommt die Lösung für dieses Problem.

Bitte keine Details?

Euch ist das alles zu viel Technikgeschwafel, aber die Bilder beeindrucken euch? Ich biete solche Fotografie auch als Dienstleistung oder auch in Form eines Workshops an. Bei Interesse: Einfach mal nachfragen!

Wenn dich solche Themen interessieren, abonniere doch meine Facebook-Seite https://www.facebook.com/danielhertrichfoto/. Dort kündige ich neue Blogbeiträge an und dort veröffentliche ich auch einige „kleinere“ Inhalte, die hier im Blog nicht auftauchen.

Warum ein Gerät fürs Timing?

Um die Ergebnisse vorhersehbar bzw. reproduzierbar zu machen. Und dabei hilft der Inhalt des Paketes. Ein kleines Gerät namens „Triggie Pro+“ von Mario Ohnmacht Elektronik mit Zubehör. Das Gerät hat Sensoren für Schall (Mikrofon) und Licht (Photodiode, anschließbares Zubehör, inkl. Laser-Modul für den Aufbau einer Laser-Lichtschranke) und Ausgänge, um eine Kamera und bis zu zwei Blitze auszulösen. Die Software im Gerät erlaubt exakte Parametrisierung, z.B. die Empfindlichkeit der Sensoren und die Verzögerungszeiten für die drei Ausgänge (auf 0,1 ms genau).

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Der Triggie Pro+ mit seinen Einstellmöglichkeiten

Ich habe mit dem Gerät nun schon mehrere Water-Wig-Shootings gemacht. Hier sei den Models Norienne, Natascha, Damian, Kristin, Rica, Susanne, Andreas, Carsten und Christina sehr herzlich für ihre Geduld mit dem perfektionistischen Ingenieur gedankt! 😉
Den Waschkeller (mit Abfluss im Boden – erspart für solche Wasserschlachten eine Menge Bastelaufwand!) auf 35°C geheizt, ausgeräumt, Studioequipment rein, alles gegen Spritzwasser geschützt, Triggie Pro+ aufgebaut, Sensoren vorbereitet, und schon konnte es losgehen. Okay… „schon“ ist übertrieben. Die Vorbereitung hat beim ersten Mal mehrere Tage gedauert inkl. einiger Probeläufe. Aber es war ja auch das erste Mal, da darf so etwas lange dauern. Beim zweiten Shooting ging es dann schon viel schneller.

Water-Wigs 2016 Highspeed-Fotografie Kellerstudio

180°-Panorama des zum Water-Wigs-Studio umgebauten Waschkellers

Wie funktioniert das „Triggern“?

Beim Water-Wigs-Shooting habe ich zwei Varianten genutzt:

  1. Auslösung des Blitzes mittels Laser-Lichtschranke (Licht)
  2. Auslösung des Blitzes mittels Mikrofon (Schall)

Ausgelöst wurde immer nur der Blitz, nicht die Kamera. Die Kamera wäre, zumindest für die schallgetriggerten Aufnahmen, einfach zu langsam, bis sie auslöst. 60-100ms Auslöseverzögerung wären hier schon zu viel.
Aber der Hauptgrund dafür, dass ich den Blitz und nicht die Kamera ausgelöst habe, liegt darin, dass der Blitz, den ich benutzt habe, in der Lage ist, kürzer zu belichten als die kürzeste Verschlusszeit der Kamera es erlaubt. Von dem Thema handelt Teil 1 dieses Blogbeitrages „Ultra-kurze Belichtungszeiten realisieren“. Die Kamera kann 1/8.000 Sekunde, mit Blitz schaffe ich 1/10.000s oder sogar noch weniger. Bei explodierenden Wasserbomben macht das schon viel aus, wenn man die Wassertropfen möglichst scharf im Bild haben möchte.

Hier im Detail:

Triggern mittels Lichtschranke

Wenn ich Wasserballons auf den Kopf meines Models werfe, möchte ich, dass auf dem Bild ein schöner „Wasser-Hut“ zu sehen ist. So wie dieser hier:

Highspeed Tutorial Howto Anleitung Blitzabbrennzeit Trigger Experimente Daniel Hertrich Fotografie

Ein sehr extravaganter Wasser-Hut

Ca. 70cm über dem Kopf des Models ist die Laser-Lichtschranke angebracht. Die Idee: Der Ballon durchfliegt beim Fall auf den Kopf die Lichtschranke und löst dabei den Blitz aus. Nach einer (durch Versuche herauszufindenden) kurzen Zeit ist der optimale Zeitpunkt für die Auslösung, bei dem der Hut eine schöne Form hat.

Um die Ergebnisse reproduzierbar zu machen, muss man einige Vorkehrungen treffen:

  • Die Ballons müssen immer aus der gleichen Ausgangshöhe geworfen werden (sonst fliegen sie mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten durch die Lichtschranke)
  • Die Ballons sollten in etwa gleich groß sein und mit gleich viel Wasser befüllt sein (Fallverhalten und Platzverhalten)
  • Das Model sollte sich zwischen den Aufnahmen nicht viel bewegen (bes. Kopfposition und -höhe)

Nun misst man die Verzögerungszeit ein. Dazu macht man die erste Aufnahme und schaut, ob die eingestellte Zeit zu kurz (Ballon noch nicht im Bild oder noch nicht geplatzt) oder zu lang (Model schon nass, aber Ballon nicht mehr zu sehen 😉 ) war. Dann verändert man die eingestellte Verzögerungszeit und versucht es nochmal. So lange, bis es passt. Für den ersten Versuch empfehle ich ein sehr geduldiges Model. Ach ja: Der Werfer sollte recht geschickt und eine gute Körperbeherrschung haben. Er muss den Ballon so fallenlassen, dass er durch die Lichtschranke fliegt. Wenn er ihn vorher auf 2,10m Höhe einige Zeit festhalten muss, bis das „Go“ vom Fotografen kommt, und er hat sich nur leicht bewegt, trifft er vielleicht nicht den Lichtstrahl (keine Blitzauslösung, Model trotzdem nass, ist frustrierend!)….

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FAIL! Blitz nicht ausgelöst. Das Model ist trotzdem nass geworden. Pech gehabt!

…oder nicht den Nagel auf dem Kopf des Models (Auslösung, aber Ballon platzt nicht, ergibt mit unter sehr witzige Bilder)

Highspeed Tutorial Howto Anleitung Blitzabbrennzeit Trigger Experimente Daniel Hertrich Fotografie

FAIL! Ballon nicht geplatzt. Trotzdem ein Bild mit einem gewissen Charme!

Bei mir lag die einzustellende Verzögerungszeit bei rund 200 ms. Je nach Größe des Models und des Ballons und je nach gewünschtem Ergebnis habe ich auch 160 ms oder mal 250 ms genommen.

Triggern mittels Mikrofon

Ein Mikrofon nimmt Schallwellen auf und wandelt sie in elektrische Impulse. Ja, das Platzen des Ballons auf dem Kopf des Models erzeugt natürlich auch Schallwellen, aber es ist einfacher, den Ballon durch die Lichtschranke fliegen zu lassen, als ein Mikrofon direkt auf dem Kopf des Models zu montieren. Montiert man es weiter weg, muss man die Empfindlichkeit des Triggergerätes sehr hoch einstellen, und dann löst jedes kleinste Geräusch (auch Sprache oder der Beat der Hintergrundmusik) den Blitz aus. Sehr nervig. Also benutzen wir ein Mikrofon in anderen Situationen.

Die eigentlichen Water-Wigs (wig engl. = „Perücke„) sind ja gar keine fallenden Wasserbomben (das sind ja eher Hüte oder Mützen), sondern auf den Kopf gelegte Modellierballons, die mit einer Nadel zum Platzen gebracht werden und dann seltsame Haarprachten aus Wasser zaubern.

Water-Wigs 2016 Highspeed-Fotografie

Eine Wasser-Perücke

Und hier kommt das Mikrofon zum Einsatz. Ich habe ein billiges Tischmikrofon mit Ständer (Ständer hier als Halter benutzt) mit Hilfe von Frischhaltefolie, Silikon, Klebeband und einer Nadel zu einem (Achtung: elektrischer Strom!) wasserdichten Ballon-Anpieks-Stab umgebaut. Platzt beim Anpieksen der Ballon, trifft das Wasser mit voller Wucht vorn aufs Mikro und erzeugt so einen maximalen Impuls für das Triggergerät.

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Triggern mittels Mikrofon

Nun sind wir mit dem Triggerimpuls direkt am Geschehen. Die Verzögerungszeit bis zum Auslösen des Blitzes muss hier also deutlich geringer sein als beim Aufbau mit der Lichtschranke. Hier haben sich Verzögerungszeiten zwischen 5 ms und 40 ms bewährt (je nach gewünschtem Ergebnis).

Weitere Möglichkeiten mit dem Triggergerät

Das Triggergerät hat drei Ausgänge: Einen für die Kameraauslösung und zwei für Blitze. Jeder Ausgang lässt sich über einen eigenen Zeitparameter ansteuern. Mit dem Kameraausgang habe ich bei meinen Projekten noch nicht gearbeitet. Der kann eigentlich nur benutzt werden, wenn Verzögerungszeiten von mindestens 100 ms akzeptabel sind, da die Kamera selbst ja eine Auslöseverzögerung in diesem Zeitbereich hat. Und wenn man nicht, wie ich, ausschließlich über den Blitz die Belichtungszeit festlegen will.

Was ich aber gemacht habe: Mit den Blitzausgängen zwei Blitze zeitlich versetzt ausgelöst. Dadurch ergeben sich interessante Effekte. Ich habe einen Blitz mit blauer Farbfolie und einen mit roter Farbfolie versetzt ausgelöst. Bei fliegenden Wassertropfen heißt das: Sie werden erst blau, etwas später rot angeleuchtet. Dadurch ergeben sich hochinteressante Bilder:

Highspeed Photography flash trigger methods www.daniel-hertrich.photo

Zwei Blitze, zweitversetzt ausgelöst (erst blau, dann rot). Rechts ist noch die Gummihaut des Ballons zu sehen, die sich gerade zurückzieht.

Der Phantasie sind bei der Highspeed-Fotografie kaum Grenzen gesetzt.

Bitte zeigt mir eure Projekte! Vielleicht können wir ja auch gemeinsam mal etwas auf die Beine stellen!

Lust auf mehr?

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und gerne mal so etwas mit mir zusammen umsetzen möchte: Ich biete das ganze auch als Dienstleistung oder auch in Form eines Workshops an. Bei Interesse: Einfach mal nachfragen!

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