Lightroom-Workflow optimieren: Bildentwicklung mit einem MIDI-Controller

Lightroom-Workflow optimieren: Bildentwicklung mit einem MIDI-Controller

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Lightroom mit einem MIDI-Controller steuern

Welcher Fotograf kennt das nicht: Man kommt mit hunderten von Bildern heim und dann muss man im Lightroom Bild für Bild durchgehen, bewerten, Grundkorrekturen anwenden, einige erweitert entwickeln… das kostet Zeit. Viel Zeit. Wer nur die Maus benutzt, arbeitet meist am längsten. Wer auch Keyboard-Shortcuts benutzt, ist schon sehr viel effizienter.

Es gibt aber Lösungen, die diesen Workflow sehr beschleunigen. Man muss üben, aber wenn man geübt hat, ist man damit viel schneller als mit Maus und Tastatur: Mit einem geeigneten Hardware-Controller, der über USB angeschlossen wird und Lightroom direkt ansteuert.

Mir sind zwei Ansätze dazu bekannt:

  1. Ein Game-Controller. Dazu hat Marcus von marcusfotos.de ein tolles Video veröffentlicht.
  2. Ein MIDI-Controller, wie er normalerweise zur Musikproduktion eingesetzt wird. Diese Lösung möchte ich hier vorstellen.

 

Die Hardware (MIDI-Controller)

Meine Wahl fiel auf das preisgünstige und relativ kompakte Behringer X-Touch Mini.

Natürlich gibt es Alternativen. Gern benutzt wird für Lightroom z.B. auch das teurere und größere, aber komfortablere Behringer BCF-2000. Auch der MIDI-Fighter funktioniert gut, wie Jan Riedel in seinem Video zeigt.

Bitte benutzt aber nur MIDI-Controller, die entweder motorisierte Fader oder – im Falle von Drehreglern – endlose Drehregler haben, wie die beiden oben genannten. Nur die sind in der Lage, sich mit den bereits gemachten Einstellungen an einem Bild zu synchronisieren. Heißt: Wenn ein Bild ausgewählt wird, schieben sich die motorisierten Fader automatisch in die richtigen Positionen bzw. nehmen die Drehregler intern schon die richtigen Werte an und bei Verstellen wird vom aktuellen Wert aus verstellt. Bei Controllern mit Drehreglern mit Anschlag bzw. nichtmotorisierten Fadern gibt es das Problem, dass man entweder den nervigen „Pickup-Mode“ aktivieren muss, oder dass einem alternativ nicht der gesamte Einstellbereich zur Verfügung steht, weil der Hardware-Regler zum Anfangszeitpunkt der Einstellung an einer anderen Stelle steht als der Software-Regler im Lightroom. Das noch günstigere und kompaktere Korg nanoKontrol 2 z.B. kann ich aus diesem Grunde nicht empfehlen.

Die Originalkdrehnöpfe des X-Touch Mini sind sehr glatt und daher nicht griffig genug für meinen Geschmack. Ich habe sie durch griffigere Knöpfe ersetzt, die eigentlich fürs Doepfer-Synthesizersystem gedacht sind. Weiterer Vorteil neben der Griffigkeit: Sie sind farbig. Einfach beherzt an den Originalknöpfen ziehen und die neuen aufstecken. Fertig.

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Die Drehknöpfe in den Farben der Lightroom-HSL-Slider

Es sind genau 8 Drehknöpfe, passend zu den 8 Farbreglern der H/S/L-Regler im Lightroom. Also habe ich versucht, die Knopf-Farben passend zu den Lightroom-Farben zu wählen. Bei Aquamarin und Magenta mussten die Doepfer-Knöpfe allerdings passen. Da habe ich stattdessen einen zweiten blauen Knopf mit einem grünlichen Punkt auf der Kappe versehen (für Aquamarin) bzw. einen weißen Knopf mit einem rosa Punkt (für Magenta). Die Knopffarben in der von mir benutzten Reihenfolge sind also:

RotOrangeGelbGrünBlau (für Aquamarin) – BlauLila – Weiß (für Magenta)

Hier ist der Link zu Thomann-Suchergebnissen für diese Knöpfe.

Die Doepfer-Knöpfe haben einen weißen Strich, um die Stellung anzuzeigen. Davon darf man sich nicht verwirren lassen, denn es handelt sich ja um Endlos-Drehknöpfe. Die eigentliche Stellung wird vom LED-Kranz um die Knöpfe angezeigt.

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LED-Kranz um die Drehknöpfe zeigt aktuelle Einstellung (analog zu den Entwicklungsslidern in Lightroom). Strich an den Knöpfen ist irrelevant!

Der Controller wird einfach über USB an den Computer angeschlossen. In meinem Fall ein Mac. Mit Windows sollte das aber auch klappen. Wenn es ein „class-compliant“ Controller ist, braucht er noch nicht mal einen Treiber, um zu funktionieren. Ich glaube, die meisten MIDI-Controller sind mittlerweile class-compliant.

Die Software („Treiber“, Lightroom-Plugin)

Lightroom kann den Controller nicht direkt verwenden. Es gibt eine kostenlose Software namens „MIDI2LR„, die Lightroom in die Lage versetzt, MIDI-Controllerdaten anzunehmen. Man kann beliebige Controllerdaten fast beliebigen Lightroom-Funktionen zuordnen. Einige Funktionen stehen allerdings nicht zur Verfügung, was aber laut MIDI2LR-Entwickler ein Problem von Lightroom ist, nicht von MIDI2LR. (Für Kenner: Adobe stellt für diese Funktionen die APIs nicht zur Verfügung). Leider fehlt z.B. das „Paste Previous“, also in der deutschen Version der Button „Vorherige“ zum Übernehmen der Entwicklungseinstellungen des vorherigen Bildes.

Die Installation von MIDI2LR ist nicht schwer. Einfach die (Container-)Datei MIDI2LR.lrplugin in das Modules-Verzeichnis der Lightroom-Einstellungen kopieren und das Plugin in Lightroom registrieren (auf Mac, unter Windows funktioniert es vermutlich ähnlich). MIDI2LR besteht aus einem Plugin für Lightroom und einem eigenständigen Programm (das vom Plugin aus automatisch gestartet wird und auch nicht separat installiert werden muss). Das Plugin „zapft“ die APIs von Lightroom an und kommuniziert intern mit dem eigenständigen Programm. Das Programm übernimmt die Kommunikation mit dem MIDI-Controller. Klingt kompliziert? Funktioniert aber super. Nicht immer 100%ig stabil, aber insgesamt eine gute Lösung. Folgt einfach den Installationsanweisungen von MIDI2LR genau, dann klappt auch alles. Was mich besonders überrascht hat: Die Reaktionsgeschwindigkeit von Lightroom auf das Bedienen der Knöpfe am Controller ist sagenhaft schnell.

Alternativ sei hier auch die kommerzielle und ziemlich teure Software PFixer von Pusherlabs. Die macht einen etwas ausgereifteren und bedienerfreundlicheren Eindruck, hat aber für nicht-englischsprachige User von Lightroom den großen Nachteil, dass sie nur mit der englischen Version von Lightroom arbeitet. Sie scheint GUI-Scripting zu benutzen anstatt der internen Lightroom-APIs. Heißt: PFixer unterstützt vermutlich einige Lightroom-Funktionen, die MIDI2LR nicht unterstützt, weil die APIs fehlen. Aber man muss halt Lightroom mit englischer Oberfläche betreiben, sonst geht gar nichts. Außerdem reagieren die Lightroom-Regler hier langsamer auf die Controller-Regler als bei MIDI2LR.

Es gibt auch weitere Softwarealternativen, die ich aber nicht getestet habe. z.B. knobroom und Paddy. Wenn ihr Erfahrungen mit diesen oder anderen Alternativen habt (besonders im Vergleich zu PFixer oder MIDI2LR), lasst es mich wissen. Ich nehme das dann gern hier in diesen Blog-Post auf.

Die Konfiguration (Welcher Knopf steuert welche Funktion?)

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Spickzettel: Meine vorläufige Belegung des X-Touch Mini als Excel-Tabelle

Und hier beginnt die eigentliche Arbeit. Welche Funktion auf welchen Knopf legen?

Das hängt von eurem Workflow und vom verwendeten Controller ab. Mein Tipp: Fangt mit wenigen wichtigen Funktionen an und verfeinert das Setup nach und nach, passt es mit der Zeit an euren Workflow an. Sonst müsst ihr zu viel Neues gleich am Anfang lernen, und falls es dann doch nicht gleich passt, sind die Änderungen aufwändig.

Mein Workflow besteht z.B. im ersten Durchgang nur aus „Nächstes Bild“, X (Reject), 2 (Bewertung 2) und 3 (Bewertung 3). Daher habe ich diese Tasten in Layer A von Profil 1 konfiguriert. Neben ein paar weiteren natürlich. Auf den Drehknöpfen liegen bei mir hier die wichtigsten Grundentwicklungseinstellungen. Ach ja: Die Knöpfe können auch gedrückt werden. So habe ich z.B. auf dem Druck des Knopfes für die Farbtemperatur den Auto-Weißabgleich.

Bitte meine Konfiguration nicht nachmachen! Sie wird für deinen Workflow nicht passen! Bitte entwickle deine eigene passende Belegung!

Eine große Hilfe, besonders wenn ihr die Layer-Funktion des Controllers (X-Touch Mini: Layer A & B, d.h. jeder Knopf doppelt belegbar) und/oder die Profil-Funktion von MIDI2LR benutzt (der ganze Controller kann mit auf Knopfdruck umschaltbaren Profilen 10-fach unterschiedlich belegt werden) ist eine Tabelle, in Excel o.ä. anzufertigen, die ihr als Lern-Tool und Spickzettel benutzen könnt.

Meine Belegung (noch nicht ganz ausgereift und noch lange nicht vollständig – ich verfeinere das mit der Zeit) sieht grob folgendermaßen aus:

  • Profil 1: Wichtigste Bibliotheksfunktionen auf den Buttons und Grundbearbeitung auf den Drehreglern, zur ersten Durchsicht und Bewertung vieler Bilder in schneller Folge
  • Profil 2: Erweiterte Bearbeitung auf den Buttons, die Drehknöpfe steuern H (Hue / Farbton) der 8 Farben.
  • Profil 3: Erweiterte Bearbeitung wie in Profil 2, die Drehknöpfe steuern S (Sättigung) der 8 Farben.
  • Profil 4: Erweiterte Bearbeitung wie in Profil 2, die Drehknöpfe steuern L (Luminanz) der 8 Farben.

Jedes Profil hat außerdem 4 Buttons für das schnelle Umschalten auf die Profile belegt (derzeit in Layer B des X-Touch Mini, aber ich werde wohl in Zukunft alles auf Layer A schieben, um es einfacher zu halten).

Meine Excel-Tabelle (als Spickzettel) für das X-Touch Mini mit dem derzeitigen Konfigurationsstand (2016-06-11) könnt ihr hier herunterladen: MIDI2LR Layout.

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Der Konfigurationsdialog für die Controller

Die Konfiguration ist übrigens sehr einfach. Im Konfigurationsfenster von MIDI2LR (Anwendung, nicht Plugin!) einfach den entsprechenden MIDI-Controller bedienen. Es wird, falls noch nicht vorhanden, eine Zeile für den Controller erzeugt. Existiert die Zeile schon, wird sie ausgewählt. Dann kann man einfach in einem Dropdown eine der zahlreichen Funktionen für den Controller auswählen. Achtung: Nicht vergessen, die Konfiguration zu speichern! Jedes Profil kommt in eine separate Datei. Und nochmal achtung: Beim Umschalten auf ein anderes Profil gehen nicht gespeicherte Änderungen im aktuellen Profil ohne Nachfrage verloren!

Einige Einstellungen müssen auch in den Plugin-Einstellungen vorgenommen werden. z.B. die Zuordnung der Profile zu den Konfigurationsdateien für die Profile. Dazu im Lightroom-Menü „Zusatzmoduloptionen“ > „MIDI2LR“ > „Options“ wählen.

To Do

Mein Setup ist noch nicht fertig.

  • Zunächst muss ich die Konfiguration optimieren.
  • Wenn die Konfiguration optimiert ist, werde ich mir Labels basteln, die ich direkt auf den Controller klebe. Die verdecken die Original-Labels, die nur irritieren, und sie helfen beim Lernen der (auch blinden!) Bedienung.

Weiterführende Links

Facebook-Gruppe: Lightroom mit MIDI-Controllern steuern

midi_controller_for_lightroom

Viel Spaß!

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  1. Pingback:Am Regler - Lightroom mit dem Korg NanoKontrol2 steuern

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